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Strohballenhaus mit HolzständerbauweiseNachhaltig Bauen mit regionalen, nachwachsenden Rohstoffen? Dazu noch energieeffizient? Stroh macht es möglich. In einem Haus, das zum Großteil aus Stroh und Holz besteht, lebt es sich geborgen und gemütlich.

Inhaltsverzeichnis von www.strohballenhaus.org:

Warum gerade Stroh als Dämmmaterial verwenden?

Strohballen können meist regional direkt von Bauern bezogen werden. So weiß man wo das verwendete Dämmmaterial entstanden ist und kann ihm sogar vorher beim Wachsen zusehen. Die Halme der Getreidepflanzen entstehen als Nebenprodukt der Landwirtschaft und wachsen jährlich innerhalb weniger Monate nach. Überhaupt ist Baustroh einer der wenigen Baustoffe, wenn nicht sogar der einzige Baustoff, der dezentral von mehreren Herstellern bezogen werden kann.

Gepresstes Stroh hat ausgezeichnete Werte bei Wärmespeicherung und Schallschutz. Es gibt Strohballenhäuser, bei denen wegen der sonnigen Lage und hervorragenden Dämmung keine klassische Heizungsanlage benötigt wird. Diese Häuser besitzen nur eine Notheizung für sehr kaltes Wetter (z.B. Holzofen).
Strohballen sind mit einer verputzten Lehm- oder Kalkschicht sehr feuerbeständig.

Die Entsorgung von Stroh ist denkbar einfach und im Gegensatz zu so manch anderen Dämmstoffen kann die Natur die Strohhalme innerhalb kürzester Zeit zersetzen.

Wie viel kostet ein Strohballenhaus?

Die gute Nachricht zuerst, nachhaltiges Bauen braucht nicht immer teurer zu sein. Erfahrungen haben gezeigt, dass Strohballenhäuser sogar ca. 5-10% günstiger sein können, als vergleichbare Häuser mit anderen Bauweisen. Stroh kann meist regional zu einem Bruchteil Kosten gekauft werden, die man sonst für andere Dämmstoffe ausgibt. Diese enormen Einsparungen verringern sich dann wieder etwas durch die aufwändigere Verarbeitung und dem Preis für den Lehm.

Grundsätzlich hängen die Kosten wie immer von den eigenen Wünschen, Fähigkeiten und Gegebenheiten vor Ort ab:

  • Lage
  • Gewünschte Innenausstattung
  • Eigenleistung: auch beim Strohballenbau kann durch Eigenleistung viel Geld gespart werden.
  • Technische Ausstattung des Gebäudes
  • Die gewählte Heizungsanlage, eventuell in Verbindung mit Solar. Dazu vielleicht noch eine Photovoltaikanlage.
  • Verwendete Materialien im Innenausbau
  • … und natürlich noch vielem mehr…

Häufige Vorurteile gegenüber Strohballenhäusern

Wenn jemand das erste Mal von einem Strohballenhaus liest oder hört, kommen so gut wie sicher ein paar Vorurteile auf.

Gibt es mit diesem Material nicht Probleme mit Mäusen oder Insekten?

Eine Scheune mit Stroh, Mäusen und vielleicht noch einer Eule, das gehört doch alles zusammen. Also hat man mit dem Strohballenhaus dann nicht „lebende“ Wände? Zuerst einmal ist es beim Strohballenhaus so, dass das Stroh komplett verputzt und teilweise auch der Zugang der durch Drahtnetze hinter dem Putz erschwert wird. Zum anderen hält sich die Maus weniger wegen der wärmenden Eigenschaften in der Scheune auf, sondern vielmehr wegen der Getreidekörner, die auf den Boden fallen. In den Wänden des Strohballenhauses wird die Maus aber wegen der immer besser werdenden Ernte-Techniken kaum Futter finden.
Außerdem werden die Strohballen beim Pressen sehr stark verdichtet, weshalb sich die Maus nicht ohne weiteres durch das Stroh arbeiten kann. Zwischenräume können beim Bau theoretisch entstehen, lassen sich aber durch sorgfältige Arbeit weitgehend vermeiden.

Ist es überhaupt erlaubt mit Strohballen zu bauen?

Bis Mitte 2014 benötigte man in Deutschland noch eine gesonderte Genehmigung von der Bauaufsichtsbehörde. Seitdem gibt es für den Wärmedämmstoff Baustroh eine „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“, erteilt vom Deutschen Institut für Bautechnik. Mit dieser Zulassung wurde nochmals von offizieller Seite bestätigt, dass sich Stroh als Baustoff bewährt hat. BauherrInnen kommen nun schneller und einfacher zum Ziel, da (zumindest in Bezug auf Strohballen) der normale Baugenehmigungsprozess angewendet werden kann.

Die Zulassung erlaubt es nun, normale Bauvorhaben (Einfamilienhaus / Zweifamilienhaus) mit normalen Brandschutzauflagen zu bauen. Es ist weiterhin in Deutschland nicht erlaubt, dass die Strohballen statische Aufgaben übernehmen (lasttragender Strohballenbau). [1]

Brennt Stroh nicht sehr leicht? Erfüllt es die Brandschutzvorgaben?

Strohballen wurden schon öfters auf Feuerbeständigkeit getestet und es hat sich gezeigt, dass verdichtetes Stroh in Verbindung mit der Lehmschicht dem Feuer und großer Hitze sehr lange trotzen kann.
Strohballenhäuser mit einer fünf Zentimeter dicken Lehmschicht erfüllen die Brandschutzklasse F90. Dies bedeutet, dass so eine Wand 90 Minuten einem Feuer widersteht. Das folgende Video zeigt, wie so ein Brandschutztest durchgeführt wird:

 

 

 

Stroh schimmelt doch bei Feuchtigkeit?

Ja, Stroh schimmelt bei Feuchtigkeit. Genauso wie es andere Dämmstoffe auch tun. Ebenso wie bei anderen Baumaterialien ist es eine Frage der guten Planung und Umsetzung, damit Schimmel erst gar keine Chance hat.  Dazu gehört vor allem auch zu verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Inneren in der Dämmung kondensiert.

Kann man ein Strohballenhaus selbst bauen?

Bei dieser Frage sollte man zunächst zwischen einem größeren Eigenheim und kleineren Bauten wie z.B. einer Gartenhütte unterscheiden. Vor allem kleinere Bauprojekte sind schon öfters komplett im Selbstbau realisiert worden. Trotzdem sollte immer jemand vom Fach dabei sein oder zumindest maßgeblich bei der Planung mitgewirkt haben.

Auch beim Hausbau können BauherrInnen je nach Erfahrung viel in Eigenleistung gehen. Es gibt viele Gründe selbst Hand anzulegen. Vordergründig wird natürlich meist der Kostenfaktor sein. Zudem macht es auch Spaß sein Haus selbst mit aufzubauen und erfüllt einem später mit einer guten Portion stolz. Und natürlich weiß man dann im Detail über jeden Bauschritt Bescheid und kann sich sicher sein, dass sauber gearbeitet wurde.

Die Eigenleistung stößt wie immer an ganz natürliche Grenzen. So sollten die BauherrInnen ausreichend Erfahrung mitbringen oder unter Anleitung von Erfahrenen Handwerkern bauen. Zudem dürfen natürlich gewisse Leistungen (Elektrik) nur von Qualifizierten durchgeführt werden.

Regionale Baustoffe für den Hausbau

Wenn Wert auf regionale Baustoffe gelegt wird, dann ist ein Strohballenhaus ganz klar Favorit. In den meisten Regionen Deutschlands lassen sich Strohballen beziehen. Auch das Holz für die Konstruktion muss nicht von fern bezogen oder sogar importiert werden. Gerade Holz wird viel öfter importiert als mein Meinen würde.
Auch Lehm ist in einigen Regionen ohne große Transportwege erhältlich.

Wie lange halten Strohballenhäuser?

Ein gut gebautes Strohballenhaus braucht sich nicht zu verstecken – das Haus Burke in Nebraska gibt es zum Beispiel bereits seit 1903. Das älteste europäische Haus mit Holzständerbauweise und Strohballen wurde in Frankreich im Jahre 1921 fertig gestellt. [2]

 

Vorteile des Strohballenbau

Gepresstes Stroh bietet viele Vorteile:

  • Es wird verhältnismäßig wenig Energie zur Herstellung des Baustoffes Strohballen benötigt, Stichwort Ökobilanz. Dies gilt natürlich auch für die anderen primären Materialien im Strohballenbau: Holz und Lehm
  • Der Rohstoff kann regional bezogen werden. Dadurch entfallen lange und unnötige Transportwege.
  • Stark wärmedämmend und kann Feuchtigkeit transportieren
  • Das Stroh lässt sich nahezu beliebig verarbeiten. Dadurch sind unterschiedlichste Dämmstärken für die unterschiedlichen Anforderungen möglich.

Video zum Bau eines Strohballenhauses

In dem Video wieder sehr schön erwähnt, wie das Haus mit Rohstoffen aus der Umgebung errichtet wurde. Das Stroh gepresst von einem befreundeten Kleinbauer, der Lehm von einer anderen Baustelle nur 5km entfernt und das begrünte Dach mit kleingeschlagenen Ziegeln.

Ausbildung und Seminare

Die FASBA (Fachverband für Strohballenbau Deutschland e.V.) bietet eine Ausbildung zur „Fachkraft Strohbau (FASBA)“. Die Kurse finden jeweils im Frühjahr und Herbst statt. Weitere Informationen finden Sie direkt auf den Seiten der FASBA

Die Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung bietet verschiedene Fachseminare rund um den Strohballenbau an (Stand November 2015). Dazu zählt ein 4-tägiger Kurs „Einführung in den Strohbau.“ Zudem gibt es einen Kurs speziell zur Strohbauplanung und darauf aufbauend ein weiteres Seminar „Strohbaupraxis für Architekten und Ingenieure“.
Der Veranstaltungsort dieser Seminare ist das „Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen“ (NZNB) in Verden, dessen Gebäude selbst im Strohballenbau errichtet wurde. Weitere Informationen

 

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Quellenverzeichnis

[1] http://www.nznb.de/strohballenhaus-lasst-die-hullen-fallen/
[2] http://strohbau.org/inhalt/24-31-historische-Bauten